Stimmt es, dass die Ursachen des Hodgkin-Lymphoms (HL) nach wie vor weitgehend ungeklärt sind?

Richtig, derzeit können wir nicht behaupten, dass wir den Ursprung von Morbus Hodgkin kennen. Was wir wissen ist, dass dieses Symptom hauptsächlich bei vorher ganz gesunden Menschen entsteht. Dabei gibt es zwei Altersgipfel: bei jungen Menschen in der Adoleszenz ab 15 Jahren bis zum jungen Erwachsenenalter um die 30 Lebensjahre.

Der zweite Altersgipfel liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Warum es entsteht, weiß man nicht. Es sind durchwegs gesunde Menschen, die von der Diagnose Lymphdrüsenkrebs überrascht werden.

Was wir kennen, ist die genetische Ausstattung des Hodgkin-Lymphoms: in der Erbanlage der HL-Zellen gibt es Gene, die dazu führen, dass das Immunsystem diese Zellen nicht als krank erkennt. Im Grunde, ist es ein Tumor des Immunsystems. Der Mensch bildet im Laufe seines Lebens immer wieder Zellen, die Krebs erzeugen, welche aber durch unser Immunsystem „weggeräumt“ werden. In diesem Fall aber nicht ...

Wie ist der Weg zur Diagnose?

Zuallererst gilt es, eine Biopsie durchzuführen, um den Typ des Lymphoms festzustellen, dann zu eruieren in welchem Stadium sich die Krankheit befindet. Zumeist befindet sich das Hodgkin-Lymphom an Stellen wie dem Hals, im Brustkorb oder es betrifft Organe oder auch das Knochenmark. Im frühen Stadium reicht eine moderate Therapie, mit wenig Strahlen.

Im fortgeschrittenen Stadium ist eine ziemliche hohe Chemo- und Strahlentherapie notwendig. Erfreulich ist, dass die generellen Heilungschancen heute sehr hoch sind: diese liegen immerhin bei rund 80–90 Prozent. Man kann sagen: die meisten PatientInnen werden geheilt. Da viele junge Menschen Strahlentherapien bekommen, treten im Laufe der weiteren Lebensjahre aber eventuell Spätfolgen auf, wie Gefäßveränderungen oder Tumorerkrankungen.

Um diese Spätauswirkungen vermeiden zu können, ist es unser höchstes Ziel, die Therapiedosis zu reduzieren – besonders in frühen HL-Stadien. Es gibt bereits Medikamente im Rahmen der Erstlinientherapie, die anstatt der Chemotherapie eingesetzt werden.

Was sind die gängigsten Herausforderungen dieser Therapien – langfristig und kurzfristig betrachtet?

Als eines der wichtigsten Elemente zur Behandlung von Morbus Hodgkin gilt es, sekundär auftretende Krankheiten und Auswirkungen durch Therapien zu vermeiden. Viele junge Frauen und Männer werden beispielsweise durch Therapien unfruchtbar und sollten über Möglichkeiten der Familienplanung informiert werden. Themen, wie die Lebensplanung oder das Einfrieren von Samen, gilt es im Vorfeld mit den PatientInnen zu besprechen.

Es gilt besonders bei der Nachsorge anzusetzen, um Spätfolgen auszuklammern. Trotzdem ist es erfreulich, dass die Therapie des Hodgkin-Lymphoms nunmehr überwiegend positiv verläuft. Betrachtet man die sogenannten „Cancer-Survivors“, also „Krebs-Langzeitüberlebende“, so sind diese sehr häufig ehemalige Morbus-Hodgkin-PatientInnen. Einfach, weil Morbus Hodgkin sehr gut therapierbar ist ...