„Ich hatte wirklich Glück, dass ich diesen Krebs bekommen habe, der eine hohe Heilungschance hat“, sagt Bernhard Hengl. „Ich hätte ja einen anderen Krebs bekommen können, der vielleicht nicht heilbar gewesen wäre.“ Aus diesen Worten des 34-jährigen Vaters von drei Kindern lässt sich deutlich herauslesen: Gegen die Kraft der positiven Gedanken und Lebenseinstellung kann auch Krebs nichts anrichten. Ein Gespräch über „Dreckstage“, heilsame Bewegung in der Natur und gegenseitige Motivation.

Wie hat sich der Krebs erstmals bemerkbar gemacht?

Mich hat die Diagnose „Morbus Hodgkin“ aus heiterem Himmel getroffen. Es war reiner Zufall, dass ich Ende Februar des Vorjahres zum Arzt gegangen bin. Am Hals waren zwei geschwollene Lymphknoten, die schon seit einem Jahr da waren.

Ich dachte ich mir nichts weiter dabei. Es gab auch keine typischen Symptome, wie Nachtschweiß oder Schmerzen. Und die Müdigkeit habe ich auf meine drei kleinen Kinder zurückgeführt, mit Kindern schläft man selten durch. In meinen Augen war ich „pumperlgesund“.

Aber der Krebs war schon da ...

Ja, nach der Biopsie, lautete die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Zu diesem Zeitpunkt war unter anderem schon ein Drittel meines Brustkorbs mit einem mehr als 10 cm großen Tumor befallen. Mich hat das aber nicht gestresst. Mein Motto war: Da muss ich durch. Ich habe das sehr pragmatisch betrachtet und mir gedacht: Welchen Sinn hat diese Situation und was kann ich daraus machen? Ende März hat dann die Chemotherapie begonnen.

Ein Prozess, der vieles verändert?

Natürlich. Die Einstellung zum Leben verändert sich völlig. Dinge, die einen zuvor geärgert haben, werden nebensächlich. Aspekte wie Karriere oder Geld treten dabei völlig in den Hintergrund.

Woher kommt Ihre positiv-pragmatische Einstellung?

Möglicherweise aus meiner Zeit als Wasserball-Nationalspieler. Die Krebsdiagnose war für mich wie eine weitere Herausforderung, wenn man so möchte, wie ein Trainingsplan. Und die Therapie waren die Trainingseinheiten, der Weg zum Ziel, um den Krebs zu besiegen. Aus meiner intensiven Zeit als Wasserballsportler habe ich gelernt, wie man Niederlagen wegstecken kann – und muss.

Was hat Ihnen in den Monaten der Therapie besonders geholfen?

Am meisten geholfen hat mir die Unterstützung meiner Frau Elena, die teilweise sogar auf der Couch geschlafen hat, nur damit ich mir mit meinem von der Chemo geschwächten Immunsystem keinen Virus einfange. Das hätte böse Folgen gehabt.

Während der achtmonatigen Therapie war ich jeden Tag draußen an der Luft. Die Natur ist auf jeden Fall sehr heilsam. Rausgehen tut einfach gut, auch wenn es nur für kurze Zeit ist. Während der Chemotherapie hat man nicht die Kraft, lange outdoor in Bewegung unterwegs zu sein, es ist aber trotzdem mental wichtig.

Für meine drei kleinen Kinder war es super, weil ich viel zu Hause war. Die mussten sich nach der Therapie erst wieder umstellen, als ich zum Arbeiten begonnen habe. Zudem hat mir mein Arbeitgeber gesagt, dass er mich nach der Therapie wieder anstellen möchte. Das hat viel Druck heraus genommen ...

Sie haben einen Blog und eine „#MonatlicheFitnessChallenge“ ins Leben gerufen. Wie wichtig ist Motivation?

Sehr wichtig. Der Ursprungsgedanke des Blogs war, wie man mit drei Kindern fit bleiben kann. Gestartet habe ich den Blog aber deshalb, damit Familie, Freunde und Bekannte immer wissen, wie es mir geht. Daraus hat sich dann der „Motivationsblog“ bzw. „Fitness & Krebs Blog“ entwickelt. Über den Blog hat sich überdies eine spannende Kommunikation mit anderen KrebspatientInnen ergeben.

Man lernt, dass es noch viel schlimmere Krebsvarianten gibt, und wie inspirierend diese Menschen dennoch damit umgehen. Für andere soll der Blog auch der generelle Einstieg in die Fitness sein. Leuten, die ihren „inneren Schweinehund“ nicht überwinden können, möchte ich damit vermitteln: Schau, sogar der Krebspatient kann es, dann kannst du es sicher auch!

Wie haben Sie es geschafft, mit dem Krebs ein halbwegs normales Leben weiter zu führen?

Es war natürlich auch sehr schwer, aber hier hatte ich die absolute Unterstützung meiner Frau. Während der Chemotherapie gab es Tage, wo ich einfach nicht am Leben teilhaben konnte. Das waren die sogenannten „Dreckstage“, wo die Kinder wussten, dass es dem Papa dreckig geht.

Da gab es mit ihnen kein Schmusen, kein Spielen. Da bin ich nur kurz aus dem Zimmer gegangen, um mich danach gleich wieder zurückzuziehen. Das war schon ein anderes Leben. Aber nach der letzten Bestrahlung Ende August 2016 bin ich wieder in das normale Leben eingestiegen.

Was möchten Sie anderen KrebspatientInnen gern mitgeben?

Tritt mit anderen Menschen in Kontakt. Öffne dich, mach dich angreifbar, dann kommt die Motivation doppelt so stark zurück. Man muss immer versuchen, eine positive Perspektive zu entwickeln. Egal, wie unüberwindbar die Situation auch erscheint. Kopf hoch und nach vorne schauen, dann kann nichts schiefgehen ... Keep on Smiling!


 

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