Die Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie schränkt häufig die Lebensqualität der Betroffenen ein. Im Interview spricht Dr. Daniela Karall von der Universitätsklinik Innsbruck darüber, wie Medikamente dabei Abhilfe schaffen können.

Was charakterisiert die Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie?

Bei der Phenylketonurie handelt es sich um eine seltene, angeborene Stoffwechselstörung. Sie betrifft den Abbau von einem Baustein von Eiweiß, dem Phenylalanin. Dieses kann von den Betroffenen nicht abgebaut werden, da das Enzym, das für den Umbau des Eiweißes verantwortlich ist, nicht oder nur insuffizient vorhanden ist. Dadurch kommt es zum Anstau von Substanzen, die das Gehirn schädigen. Bei PatientInnen, die nicht behandelt werden, kommt es zu einer schweren geistigen Behinderung, die irreversibel ist. Wird die Diagnose jedoch im Neugeborenenalter gestellt, lässt sich durch eine Ernährungstherapie oder anders gesagt: Diät eine normale geistige Entwicklung sowie Lebensqualität erreichen.

Wie wird eine PhenylketonurieErkrankung diagnostiziert?

Beim in Österreich verpflichtenden Neugeborenenscreening wird ein Bluttest durchgeführt, der dann zentral im Labor in Wien untersucht wird. Liegt bei einem Säugling eine Phenylalanin-Erhöhung vor (also Verdacht auf das Vorliegen einer Phenylketonurie), wird das für die betroffene Familie nächstliegende Stoffwechselzentrum verständigt. Nach Bestätigung der Diagnose wird sofort mit einer Ernährungstherapie begonnen. Etwa ein Drittel der PatientInnen spricht zudem auf eine medikamentöse Therapieform an. Entscheidend ist dabei die Art der Mutation des Enzyms Phenylalaninhydroxylase. Ist dieses vorhanden, aber nicht vollkommen stabil oder funktionsfähig, kann mittels medikamentöser Behandlung die Funktion des Enzyms stabilisiert werden.

Welchen Vorteil bringt eine medikamentöse Behandlung?

Die Restaktivität der Phenylalaninhydroxylase kann durch Zugabe des synthetisch hergestellten Co-Faktors Tetrahydrobiopterin so verbessert bzw. stabilisiert werden, dass eine fast normale Funktion des Enzyms erreicht wird. Dank der medikamentösen Therapie können PatientInnen also mehr Eiweiß zu sich nehmen als ohne das Medikament bzw. den Co-Faktor. Die Steigerung der Verträglichkeit von Phenylalanin beträgt dabei ungefähr das Doppelte bis Dreifache, das heißt die Phenylalanintoleranz wird dermaßen verbessert, dass manche Betroffene gar keine Ernährungstherapie mehr einzuhalten brauchen, was eine deutliche Steigerung der Lebensqualität bedeutet.

Gibt es, abgesehen von der notwendigen Restfunktion des Enzyms, weitere Voraussetzungen für die medikamentöse Therapie?

Es gab bis vor Kurzem eine altersbedingte Einschränkung. Die medikamentöse Therapie mit dem Co-Faktor Tetrahydrobiopterin war erst für Vierjährige zugelassen. Diese Lücke bei den Null- bis Vierjährigen konnte aber in diesem Frühjahr geschlossen werden, da die Zulassung nun ab dem Neugeborenenalter gilt. Daneben gibt es noch eine weitere, kleinere PKU-PatientInnengruppe, denen die Aufnahme von Tetrahydrobiopterin in der Therapie helfen kann. Das sind Betroffene, die schwankende, instabile Phenylalaninspiegel haben. Ihnen kann die medikamentöse Behandlung eventuell dabei helfen, diesen zu stabilisieren.