Was steckt überhaupt hinter dem Begriff Lungenfibrose?

Darunter versteht man Erkrankungen des Lungengewebes, bei denen es zu Umbauvorgängen in der Lungenarchitektur kommt. Damit sind Veränderungen in der Lungenfunktion mit klinischen Auswirkungen verbunden. Durch diese Umbauprozesse schrumpft das Lungenvolumen und die Lungenkapazität nimmt ab. PatientInnen verspüren dies mit zunehmender Atemnot, vor allem unter Belastungsbedingungen.

Wie wird Lungenfibrose überhaupt diagnostiziert?

Zunächst ist es die Aufgabe des Arztes, die Lunge mit einem Stethoskop genau abzuhören. In vielen Fällen ergibt sich hier bereits ein Hinweis auf das Vorliegen einer Lungenfibrose, wenn man das typische „Knisterrasseln“ feststellen kann. Wird ein Arzt hier hellhörig, werden weitere Untersuchungen veranlasst. Dazu gehören Lungenfunktionsprüfungen, bei denen die Lungenkapazität sowie die Sauerstoffwerte untersucht werden.

Außerdem werden Belastungsuntersuchungen am Ergometer durchgeführt, um festzustellen, ob eine Sauerstoffaufnahmestörung durch die kranke Lunge vorliegt oder nicht. Neben den klinischen Untersuchungsmethoden ist die hochauflösende Computertomographie der Lungen wichtig.

Damit bekommt man einen Hinweis auf die Form der Lungenfibrose. Denn Lungenfibrose steht als Überbegriff für eine Vielzahl an Lungenfibrosen und unsere Aufgabe ist es, eine möglichst exakte Diagnose durchzuführen, denn die Therapien sind unterschiedlich.

Wie sehen die Therapien aus?

Man hat immer geglaubt, dass Cortison eine Standardtherapie für alle Formen der Lungenfibrosen ist – aber ganz im Gegenteil! In einigen Fällen kann dies sogar schädlich sein. Wir müssen daher genau feststellen, welche Lungenfibrose vorliegt. Entweder wird dann eine Cortisontherapie in Kombination mit einem anderen Immunsuppressivum verabreicht oder im Falle einer idiopathisch pulmonalen Fibrose eine entsprechende antifibrotische Therapie angewandt.

Die Diagnose ist hier wirklich entscheidend! In einigen Fällen müssen wir daher zusätzlich eine chirurgische Lungenbiopsie durchführen lassen, wobei man sich gut überlegen muss, ob dieser Eingriff zumutbar ist. Und das hängt wiederum davon ab, in welchem Stadium sich der Patient befindet.

Wie lange dauert es, bis die richtige Diagnose gestellt wird?

Es gibt PatientInnen, die ein Jahr in verschiedenen Arztpraxen unterwegs sind und es gibt PatientInnen, die eine Leidensgeschichte von drei bis vier Jahren haben. Wir bekommen viele PatientInnen leider erst in fortgeschrittenen Stadien zugewiesen. Wir wissen aber, je früher wir diagnostizieren können, desto früher können wir behandeln und desto besser ist die Prognose für die PatientInnen.

Besteht ein Problem, weil es ähnliche Symptome zu anderen Krankheitsbildern gibt?

Das ist richtig! Die Symptome sind relativ unspezifisch, etwa Reizhusten oder Atemnot bei Belastungen. Dies entwickelt sich aber nicht plötzlich, sondern erst allmählich. Und darin besteht das Problem, dass zunächst viele PatientInnen eher auf Herzerkrankungen, Übergewicht oder erhöhten Blutdruck behandelt werden. An die Lunge wird oft zu spät gedacht. Unsere Aufgabe ist es daher, die Awareness für Lungenfibrose in der Öffentlichkeit, aber auch in der Kollegenschaft zu erhöhen.