Welche Krankheitsformen des Lupus werden unterschieden?
Die Rheumatologen behandeln den systemischen Lupus erythematodes (SLE), von dem praktisch alle Organe befallen und schwer geschädigt werden können. Aber es gibt auch verschiedene Formen die  sowohl im Rahmen einer Systemerkrankung als auch isoliert auf der Haut auftauchen, wie z.B. der chronisch diskoide Lupus erythematodes (CDLE).

Stehen Hautmanifestationen im Vordergrund, was bei manchen Erkrankungsformen häufig ist, so werden die Patienten oft in erster Linie vom Dermatologen behandelt. Eine Sonderform stellt der neonatale Lupus erythematodes, der Kinder von SLE-kranken Müttern betreffen kann, dar.

Wann tritt Lupus auf, wann kann man sich als gefährdet betrachten?
Es gibt konstitutionelle Symptome, wie erhöhte Temperatur oder unerklärliches Fieber, möglicherweise Arthralgien (Gelenksschmerzen) oder eine Sonnenlichtempfindlichkeit. Sehr typisch ist auch die sogenannte „Kollagenosenschlappheit“, ein Zustand von unerklärlicher Mattigkeit (engl „fatigue“). Daneben deuten tatsächlich organspezifische Symptome, wie z.B. vergrößerte Lymphknoten, eine Thrombose, Lungenembolie oder auch Blutbildveränderungen wie z.B. eine Anämie (Blutarmut) oder Thrombopenie, also zuwenig Blutplättchen, auf die Erkrankung hin.

Oder aber man findet Eiweiße sowie Blut im Harn und entdeckt so eine Nierenbeteiligung. Bei anderen Patienten sind das zentrale oder periphere Nervensystem betroffen, bei wieder anderen Herz oder Lunge. Alle denkbaren Kombinationen sind prinzipiell möglich. Die initiale Symptomatik kann also sehr unterschiedlich und vielschichtig sein.

Gibt es keine spezifischeren Zeichen?
Oft hilft das Labor bei der Diagnose entscheidend weiter. Wichtig sind die sogenannten ANA (Antinukleäre Antikörper) sowie die ds-DNA-Antikörper. Dabei handelt es sich um immunologische Parameter, die bei fast allen betroffenen Patienten nachgewiesen werden können. Bei den ANAs gibt es noch weitere Unterteilungen. Je nachdem, welche Unterform vorliegt, kann es ein Zeichen eines SLE  darstellen oder auch als Hinweis auf eine andere Kollagenose zu sehen sein.

Bei der isolierten Interpretation der Werte muss man aber vorsichtig sein, denn ANAs können auch bei Gesunden vorkommen und völlig ohne Krankheitswert sein. Das Labor alleine macht also nicht krank. Im  Blut gibt es außerdem Parameter, die auf eine Aktivität des Lupus hinweisen können: Bei einem aktiven SLE findet man typischerweise einen sogenannten Komplement-Verbrauch – das sind Faktoren, die zum Komplementsystem gehören.

Diese Werte können im Labor erniedrigt sein und das ist dann kompatibel mit einem aktiven Lupus. Manchmal sind auch die weißen Blutkörperchen (in erster Linie die Lymphozyten) verringert.

Was sind psychosoziale Folgen von Lupus?
PatientInnen müssen sich darauf einstellen, eine chronische Erkrankung zu haben und damit natürlich erst einmal damit zurechtkommen. Dafür ist in aller Regel eine dauerhafte Therapie notwendig, für welche die Compliance des Patienten sehr wichtig ist. Manchmal fällt es Patienten schwer zu akzeptieren, dass nun dauerhaft eine Therapie nötig ist, sodass Therapieverordnungen des behandelnden Arztes nicht wirksam werden können.

Es ist oft eine Herausforderung im Alltag, regelmäßig Medikamente einzunehmen, um diese Erkrankung wirksam in Schach zu halten. Auch die Furcht vor Nebenwirkungen, z.B. bei kortisonhaltigen Medikamenten, kann dazu führen, dass die Medikamenteneinahme für den Patienten schwierig ist.

Sogenannte Basistherapeutika wie Quensyl, Resochin, Methotrexat oder auch gewisse Immunsuppressiva helfen, die Erkrankungsaktivität zu reduzieren und auch Kortison einzusparen, erfordern aber auch regelmäßige Kontrollen bezüglich der Nebenwirkungen ca. alle drei Monate.

Häufigkeit der Symptome bei SLE
90% - Fieber, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Arthralgien (morgendliche Schmerzen der Gelenke), Arthritis (Schwellung der Gelenke) mit Luxationsarthropie (Verformungen der Gelenke) und Tenosynovitis (Sehnenscheiden)
70% Vaskulitis (Entzündungen der kleinen Gefäße der Haut), Mundschleimhautentzündungen
50% Schmetterlingserythem, Lymphadenogadie (Lymphknotenvergrößerung), Raynaud-Syndrom (Gefäßspasmus der Fingergefäße)
47% Magen-Darm-Beschwerden
40% kreisrunder, irreversibler Haarausfall
37% Pleuritis (Entzündung des Rippenfells mit starken atemabhängigen Schmerzen der Thorax)
35% Lupusnephritis (Nierenbeteiligung)
30% Leberbeteiligung, Neurologische Symptome
29% Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
17% Lungenbeteiligung
4% Bauchspeicheldrüsenentzündung, Herzmuskelentzündung, Muskelentzündung

Quelle: www.klinikum.uni-heidelberg.de