Was genau ist juvenile idiopathische Arthritis?
Es handelt sich um eine chronische Entzündung der Gelenke, die länger als sechs Wochen dauert und bei der wir keine andere Ursache finden. Sie wird auch kindliches Gelenkrheuma genannt und ist eine gelenkzerstörende Arthritis mit Beginn unter 16 Jahren Alter.

Was sind typische Symptome für JIA?
Üblicherweise treten bei den betroffenen Kindern Schmerzen, Schwellungen und Überwärmung der Gelenke auf. Die Kinder schlafen schlecht und wollen auffällig oft getragen werden. Betroffen sind natürlich vor allem Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, in den unterschiedlichen Lebensstadien treten verschiedene Formen auf.

Gibt es Risikogruppen?
Rund eines von tausend Kindern ist betroffen. Zusätzlich ist zu sagen, dass es Familien mit Neigung zu chronischen Entzündungen gibt. Dort herrscht natürlich eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, da die Neigung zu Autoimmunerkrankungen ist familiär gehäuft sein kann. Kindliches Rheuma selbst ist aber nicht erblich.

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es?
Bei den Gelenkerkrankungen gibt es niedrig dosiertes Kortison, es gibt sogenannte Nicht-Kortison-Antirheumamittel, das sind Schmerzmittel mit längerer Zirkulationsdauer. Neue Therapiestrategien sind die sogenannten „Biologika“, die biologisch hergestellt werden. Diese bekämpfen den Tumornekrosefaktor-α, den Signalstoff des Immunsystems, der bei lokalen und systemischen Entzündungen beteiligt ist, oder auch Interleukine, das sind körpereigene Botenstoffe der Zellen des Immunsystems. Bei der systemischen Form der JIA brauchte es recht hohe Kortisondosen, dabei waren die Biologika der Durchbruch, das Kortison reduzieren oder sogar absetzen zu können. Teil der Gesamtbehandlung sind aber immer auch Ergo- und Physiotherapie, genauso wie der Augenarzt.

Wie stehen die Heilungschancen?
Die Besserungsrate wird immer höher. Das ist natürlich auch hocherfreulich, weil es für die Lebensqualität der betroffenen Kinder einen riesigen Unterschied macht, ob jetzt 30, 20 oder gar nur ein einziges Gelenk betroffen ist – für den Bewegungsapparat, beim Turnen, Basteln, Schuhebinden ist das natürlich eine riesige Qualitätssteigerung.

Das Wort „Heilung“ will ich da aber nicht aussprechen. Zwar kommen viele Kinder von den Medikamenten weg, aber es kann durchaus nach einiger Zeit wieder zu einem Schub kommen, der dann wieder aggressiv behandelt werden muss. Trotzdem: Die Besserungsrate der Kinder ist wesentlich höher als bei Erwachsenen. Kinder sprechen wesentlich besser auf die Therapien an. Fast jedem betroffenen Kind kann man heute bei entsprechender Behandlung eine massive Besserung um rund 70 Prozent versprechen.

Gibt es Konsequenzen wenn die Krankheit zu spät erkannt wird?
Den Schaden an Knochen und Knorpeln kann man oft erst Jahre später sehen, weil das Röntgenbild im Anfangsstadium recht unauffällig ist. Vor 15 Jahren waren die Therapien noch nicht so weit wie heute, damals mussten rund ein Viertel der betroffenen Kinder so ins Erwachsenenalter gelassen werden, dass sie aufgrund der Krankheit gut einen Monat jährlich berufsunfähig waren, fünf Prozent waren Frührentner. Heute ist das allerdings völlig anders, es fallen kaum noch Kinder durch den Rost. Wir können diese Entwicklung sehr positiv sehen.