Was bedeutet Alpha-1-Antitrypsin-Mangel?

Es handelt sich um eine seltene, angeborene Erkrankung, die zwar behandelt, aber nicht geheilt werden kann. Das spezielle Protein Alpha-1-Antitrypsin, das in der Leber gebildet wird, steht Betroffenen aufgrund eines kranken Gens nur in einer unzureichenden Menge zur Verfügung.

Alpha-1-Antitrypsin wird bei Entzündungen verstärkt produziert und sorgt dafür, dass die neutrophile Elastase inaktiviert und das Bindegewebe am Entzündungsherd geschützt wird. Bei zu wenig Alpha-1-Antitrypsin wird die Neutrophile Elastase nur in unzureichendem Maße inaktiviert und kann dann das Gewebe an jenem Ort, wo die Entzündung abläuft, abbauen bzw. zerstören.

Die Lunge ist dabei ein besonders gefährdetes Organ, weil hier eine hohe Infektabwehr stattfindet. Dadurch ist die Gefahr groß, dass ein Lungenemphysem entsteht.

Wie kann die Krankheit diagnostiziert werden?

Der klassische Zugang besteht aus einer Blutabnahme zur Alpha-1-Antitrypsin-Spiegelmessung. Wird dabei ein Mangel festgestellt, folgen weitere Untersuchungen, etwa Phänotypisierung und Genotypisierung. Aufgrund der Eigenschaften des Proteins und mittels Gensonden erfolgt der Nachweis des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels.

Mittlerweile steht ein Schnelltest dafür zur Verfügung. Das kranke Protein kann dabei direkt im Blut nachgewiesen werden. Es gibt über 150 verschiedene Varianten des Proteins Alpha-1-Antitrypsin. Das relevanteste mit Krankheitswert ist das sogenannte Z-Allel und genau dieses wird im Schnelltest nachgewiesen. Es reicht eine geringe Blutmenge und innerhalb von ca. 15 Minuten liegt ein Ergebnis vor.

Fällt der Test positiv aus, müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden, um zu überprüfen, ob ein relevanter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel vorliegt. Bei einem negativen Testergebnis kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine derartige Erkrankung ausgeschlossen werden.

Welche Möglichkeiten zur Behandlung gibt es?

Die therapeutischen Möglichkeiten sind  eingeschränkt. Im Kindesalter äußert sich die Erkrankung meist als eine Leberzellstörung. Da ist nur eine symptomatische Behandlung wie bei anderen Leberstörungen möglich. Bei Erwachsenen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel steht das Lungenemphysem im Vordergrund.

Auch die therapeutischen Möglichkeiten entsprechen jenen einer COPD: antiobstruktive Therapie, jährliche Impfungen, um möglichst vielen Infekten vorzubeugen, und striktes Nikotinverbot. Für Alpha-1-Antitrypsin-Mangel-PatientInnen ist auch eine Augmentationstherapie durch Zuführung des Proteins mittels Infusionen möglich.

Wo ist eine Behandlung möglich?

Die Indikation sollte unbedingt bei einem Experten gestellt werden, österreichweit gibt es dafür entsprechende Alpha-1-Zentren. Die Verabreichung der Infusionen kann dann auch der Hausarzt übernehmen. Die weitere Überwachung sollte im Zentrum stattfinden, einmal jährlich sollte der Betroffene zur Kontrolle gehen, damit der Verlauf beurteilt werden kann und Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung gezogen werden können.

Zudem ist vorgesehen, dass jeder Patient, der eine Augmentationstherapie bekommt, ins österreichische Register für Alpha-1-Antitrypsin-Mangel aufgenommen wird. Dieses umfasst derzeit ca. 250 PatientInnen, doch die Dunkelziffer der Betroffenen dürfte aufgrund fehlender bzw. falscher Diagnose bei etwa 1.500 Personen liegen.