Univ. Prof. Dr. med Irene Lang
Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin

Frau Dr. Lang, was genau versteht man unter Lungenhochdruck?
Lungenhochdruck ist eine seltene Erkrankung, die also definitionsgemäß bei weniger als fünf von 10.000 Menschen auftritt.  Betroffene leiden unter einer Gefäßerkrankung der Lunge: Das von Blut durchströmte Gebiet der Lunge wird dabei immer kleiner, da sich mehr und mehr Gefäße des Organs verschließen. Dies führt zu einem Druckanstieg in der Lunge.
Bei gesunden Menschen ist dieses Gefäßgebiet sehr groß. Selbst bei großen sportlichen Anstrengungen und einem erhöhten Herzzeitvolumen bleibt der Widerstand in den Lungengefässen niedrig. Bei Erkrankten steigt dieser bei gleicher Belastung jedoch stark an.

Wie zeigt sich die Erkrankung?
Die klinischen Symptome von Lungenhochdruck sind sehr spärlich. Während man Veränderungen beim großen Systemkreislauf äußerlich einfach beobachten kann – man erblasst oder errötet – ist dies beim kleinen Kreislauf kaum möglich. Man kann von außen den Blutdruck im Organ nicht messen. Zudem dauert es sehr lange, bis die Gefäßreserven der Lunge erschöpft sind und erste Beschwerden auftreten. Erst dann kann man feststellen, ob jemand unter Lungenhochdruck leidet. Die frühen Phasen kann man nicht erkennen. Dies geht soweit, dass man manchmal Jahrzehnte braucht, bis man der Krankheit auf die Schliche kommt

Woran merkt man, dass man eventuell unter Lungenhochdruck leidet?
Lungenhochdruck zeigt sich im Frühstadium nur unter körperlicher Belastung. Im Ruhezustand erscheinen die Patienten komplett unauffällig: sie haben ein normales Herzecho und fast normale Blutdruckwerte. In der nächsten Phase, in der die Gefäßreserven der Lunge letztendlich aufgebraucht sind, beginnen Betroffene über schwere Beine, Atemnot und einen plötzlichen Leistungsknick zu klagen. Noch ist eine Früherkennung der Krankheit nicht möglich. Nur spezielle Risiko-Gruppen lassen sich ausmachen: Menschen mit Herzfehlern, sowie Patienten mit Bindegewebs-erkrankungen sollten sich ein Mal im Jahr genau untersuchen lassen.

Kann Lungenhochdruck tödlich sein?
Lungenhochdruck führt unbehandelt in knapp drei Jahren zum Tod. Der Beginn ist dabei manchmal das Ende: Beispielsweise für schwangere Patientinnen – diese können bei der Geburt sterben. Auch in Verbindung mit starken psychischen Traumata oder anderen Erkrankungen kann Lungenhochdruck zum Tode führen.

Gibt es besonders anfällige Altersgruppen?
Es gibt verschiedenste Lungenhochdruckformen, die auch in den verschiedensten Altersgruppen auftreten. Der Prototyp der Erkrankung betrifft junge Frauen, beispielsweise Maleen Fischer, die selbst an Lungenhochdruck erkrankt ist und gemeinsam mit ihrer Familie in Österreich Aufklärungsarbeit betreibt. Bei jungen Frauen wie ihr ist das Erkrankungsrisiko drei mal höher als bei gleichaltrigen Männern.

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?
Es gibt Tabletten- und Infusionstherapien, die dabei helfen, die Krankheit aufzuhalten. Besonders schwer betroffene Patienten werden mit Pumpensystemen ausgestattet, die jahrelanges Überleben garantieren. Bis auf eine Sonderform des Lungenhochdrucks, die operativ behoben werden kann (Chronisch Thromboembolische Pulmonale Hypertension), gibt es aber noch keine dauerhafte Heilungsmöglichkeit. Jedoch kann der Gesundheitszustand verbessert werden. Dadurch ist es möglich, ein nahezu normales Leben zu führen.

 

FACTS

Plötzlicher Leistungsabfall, Atemnot bei Belastung oder schwere Beine bei Fehlen anderer Ursachen sind mögliche Hinweise auf die Erkrankung.

Auch wer an Lungenhochdruck erkrankt ist, muss nicht gänzlich auf Sport verzichten: Kontrolliertes Training ist sogar förderlich.

Stammzelltherapien könnten in Zukunft dabei helfen, die verlorengegangenen Gefäße wieder wachsen zu lassen und so die Krankheit zu besiegen.

Unter www.lungenhochdruck.at und www.ruhigatmen.at finden Betroffene Informationen und Kontakt zur Selbsthilfegruppe.

Lukas David Wagner
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